Freiwilligendienst
Das Haus am Maiberg bietet jedes Jahr zwei Plätze für Freiwillige: Ein/e EFD-Freiwillige/r aus Polen in Kooperation mit der Internationalen Jugendbildungsstätte Mikuszewo und ein/e FSJ-Freiwillige/r in Kooperation mit dem BDKJ Mainz können sich ein Jahr lang im Haus am Maiberg engagieren.
Hier erzählen euch unsere Freiwilligen etwas über ihre Arbeit im Haus am Maiberg und was ein Europäischer Freiwilligendienst bzw. ein Freiwilliges Soziales Jahr ist. Ein bis zwei Mal im Jahr (im Herbst und im Frühjahr) organisiert das Haus am Maiberg das „Abenteuer Ausland” Seminar. Hier informieren wir über verschiedene Dienstarten, ehemalige Freiwillige berichten von ihren Erlebnissen, Entsende-/Trägerorganisationen stellen sich vor, wir möchten herausfinden, was deine Motivation ist, einen Freiwilligendienst zu machen und tauchen in die Welt des interkulturellen Lernens. Ob und wann es demnächst ein Abenteuer Ausland Seminar gibt, erfährst du bei Das kommt....
FSJ + EVS = Spannung im Doppelpack
Lust, neue Erfahrungen zu sammeln? Einblicke in ein Berufsfeld bekommen? Das Arbeitsleben kennen lernen? Die Übergangszeit zwischen Schule und Ausbildung bzw. Studium nutzen? Offen für neue Begegnungen? Dann sind Sie hier genau richtig! Wir laden Sie ein, uns ein Stück auf unserem Weg in das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und in den Europäischen Freiwilligendienst (EFD) zu begleiten.
FSJ: Ein ganz neuer Lebensabschnitt
Vor ein paar Jahren war ich für kurze Zeit Gruppenleiterin einer Jugendgruppe. Die Arbeit hatte mir sehr viel Spaß gemacht und ich wollte unbedingt weitere Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit sammeln. Eine Bekannte von mir hatte gerade ihr FSJ beendet und erzählte mir von ihrer spannenden Arbeit in einem Kinderheim. Das Gespräch mit ihr, der Wunsch neue Erfahrungen zu sammeln, die Möglichkeit mit Kindern und Jugendlichen arbeiten zu können und einen Einblick ins Berufsleben zu bekommen, motivierten mich einen Freiwilligendienst zu machen.
Im Vorstellungsgespräch beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) zeigte sich für mich die Vielfältigkeit eines FSJs. Ich konnte mir aussuchen, ob ich mit Kleinkindern, Pflegebedürftigen, Behinderten, in Schulen und Krankenhäuser arbeiten möchte oder eben in einem Bildungshaus. Für mich war das Haus am Maiberg besonders reizvoll, da die außerschulische politische Bildung für mich etwas total Neues war und ich unbedingt mehr erfahren und lernen wollte.
Der richtige Einstieg in das FSJ war für mich der Begrüßungstag in Mainz. Dort startete die Zusammenarbeit der Freiwilligen noch bevor es in die jeweilige Einrichtung ging. An sogenannten „Biwo’s“(Bildungswochen), die fünf Mal im FSJ stattfinden, tauschen sich die Freiwilligen über gute und schlechte Momente aus und bleiben die Zeit über in Kontakt. Außerdem bietet sich mir die Möglichkeit, die Themen der einzelnen Begleitseminare, z.B. Gewalt, Weltkulturen oder Sucht, mit den anderen Teilnehmenden zu bestimmen und selbst einen Baustein mit zu gestalten. Somit trägt jede/r Einzelne zur Gestaltung einer erlebnisreichen und prägenden Bildungswoche bei.
Genau das ist auch das Ziel der non-formalen Bildung in meiner Einsatzstelle in der Jugendbildung im Haus am Maiberg. In einem Seminar erarbeiten die Teilnehmenden das jeweilige Thema mit verschiedenen Methoden selbst, z.B. Simulationen oder Arbeiten in Kleingruppen. Vor allem interessieren mich im Haus am Maiberg die Arbeit mit Jugendlichen und die Gestaltung und Durchführung eines Seminars. Das Seminar über Globalisierung hat mir bisher besonders gefallen. Anhand eines Planspiels bekamen die Teilnehmer und ich Einblicke in die Standpunkte verschiedener Länder zum Klimawandel und erarbeiteten Lösungsvorschläge. Auch die Begegnung von deutschen und polnischen Jugendlichen in Danzig fand ich toll. Die unterschiedlichen Nationalitäten spielten keine große Rolle und man lernte gemeinsam über die Bewegung der Solidarność. Die Möglichkeit, mit Zeitzeugen zu reden, waren prägende Augenblicke. Ich freue mich auch schon auf die kommenden Seminare, die mir mehr Einblicke, z.B. in die deutsch-deutsche Geschichte und non-formale Jugendbildung ermöglichen. Schon nach den ersten Monaten kann ich wohl sagen: Die Erfahrungen, Eindrücke, die Leute und Kulturen, die ich kennen lerne, und die Themen der Seminare prägen für ein Leben!
Von Polen nach Deutschland - Mein Weg zum EFD
Einmal war ich schon in Deutschland – für ein halbes Jahr zum Studium. Nach vier Monaten in Greifswald wusste ich, dass ich noch mal ins Ausland fahren möchte. Aber wie man das machen kann, das wusste ich nicht. Dann plötzlich habe ich mich erinnert, dass meine Freundin einen EFD in Armenien gemacht hatte, also habe ich mit ihr darüber gesprochen. Das hat alles so gut geklungen, dass ich mich entschieden habe: Ja, ich möchte das machen! Aber wo?
Dann habe ich im Internet gesucht (eigentlich habe ich das sehr lange gemacht), bevor ich im Mai zwei gute Angebote für mich gefunden habe – das erste in Brüssel und das zweite in Heppenheim. Ich habe mich bei beiden beworben, Brüssel hat aber nicht geantwortet, zum Glück hat sich aber Mikuszewo (die Partnerorganisation vom Haus am Maiberg aus Polen) gemeldet. Es folgte erst ein kurzes Gespräch mit den verantwortlichen Personen aus Polen, dann ein langes Telefongespräch mit Stephan Schwieren aus Deutschland und dann warten, warten, warten, weil es auch andere Personen gab, die sich auf die EVS-Stelle im Haus am Maiberg beworben haben.
Eigentlich dachte ich schon, dass das nicht klappt, aber plötzlich hat Stephan angerufen, dass das Haus am Maiberg mich haben möchte. So musste ich alles schnell erledigen, weil es schon spät war. Also schnell eine Krankenversicherung abschließen, Activity Agreement (Vertrag) unterschreiben, zum Pre-departure Training (Vorbereitungsseminar) nach Warschau und, was am wichtigsten war, eine Art Urlaubssemester für mein Studium bekommen. Zum Glück habe ich das alles geschafft und ich konnte nach Heppenheim fahren.
Und was erwartete mich am Haus am Maiberg? Zunächst mein Mentor Stephan, der Referent für Internationale Jugendbegegnungen im Haus, mit dem ich Seminare für Jugendliche vorbereite, z. B. über das Ende des Kommunismus in Europa oder die deutsche Wiedervereinigung. Die jugendlichen Teilnehmer im Alter von 15-19 Jahren kommen aus Polen, Russland und natürlich aus Deutschland. Die Seminare sollen den Kontakt zwischen jungen Leuten aus verschieden Ländern ermöglichen, und Perspektiven für die Zukunft öffnen. Unser wichtigstes Ziel ist: verschiedene Kulturen zu integrieren und zu zeigen, wie ähnlich wir sind und dass man mit verschieden Leuten gut zusammen arbeiten kann. In solchen Seminaren machen wir interessante Ausflüge, erarbeiten Ausstellungen, drehen kurze Videos und bereiten Präsentationen in gemischten Gruppen vor, es gibt kulturelle Abende und wir machen Interviews mit Zeitzeugen.
Als Freiwillige sammle ich viele neue Erfahrungen, weil ich mich mit vielen verschieden Leuten treffe, nicht nur auf Seminaren, sondern auch auf den Trainings für Freiwillige. Ich habe hier einen Mentor und eine Tutorin die immer bereit sind, mir zu helfen, wenn ich irgendwelche Probleme hätte. „Hätte“, weil jetzt habe ich keine, weil alles perfekt ist.
Die ersten Monate waren in beiden Bereichen (EVS und FSJ) ereignisreich und spannend - Spannung im Doppelpack. So darf es gerne ein Jahr bleiben!
Anne Rothermel & Paulina Jaskulska
im November 2010


